Aus meiner täglichen Arbeit in der Praxis und im Tierheim kenne ich die Schattenseiten unkastrierter Katzen 🙁
Endloses Leid, überfüllte Tierheime und vermeidbare Krankheiten. Für mich als Tierärztin gibt es deshalb beim Thema Kastration einen klaren Wunsch: Es sollte niemals zu einer unkontrollierten Vermehrung kommen.
Deshalb gilt für Freigänger ganz klar: Bitte immer kastrieren. Die Tiere draußen leiden sonst still, und viele Städte sowie Gemeinden sind mit der Flut an ungewolltem Nachwuchs schlichtweg überfordert.
Bei Wohnungskatzen tragen Halterinnen und Halter ebenfalls eine große Verantwortung. Auch Indoor-Katzen sollten im Regelfall kastriert werden. Wer sich bewusst für Nachwuchs entscheidet, sollte sich von Anfang an gründlich informieren und vorab verbindlich regeln, in welche liebevollen Hände die Kitten später ziehen. Bei seriösen Züchterinnen und Züchter, die sich der enormen Verantwortung bewusst sind und Kitten art- und bedürfnisgerecht aufziehen sollte ebenfalls immer das Katzenleben über dem finanziellen Gewinn stehen.
Da es leider immer noch zu viel unkontrollierte Vermehrung gibt, ist eine gesetzliche Kastrationspflicht in Deutschland (und weltweit) ein extrem wichtiger Schritt. Eine Kastration ist nichts Schlechtes. Sie ist ein aktiver Beitrag zum Tierschutz und zeigt echtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem eigenen Tier.
Warum ist die Kastration so wichtig?
Die Kastration ist der wirksamste Schutz vor ungewolltem Nachwuchs und verringert das Risiko für gesundheitliche sowie verhaltensbedingte Probleme massiv.
Weibliche Katzen werden vor Gebärmutterentzündungen und Mammatumoren (Brustkrebs) geschützt. Kater verunglücken seltener bei der großen Suche nach einem Weibchen, es gibt weniger Reviereinkämpfe und sie infizieren sich weniger mit tödlichen Infektionskrankheiten (z. B. FIV/FeLV).
Keine kräftezehrende Rolligkeit mehr bei weiblichen Katzen; kein ausgeprägter Drang zum Streunen oder Kämpfe bei Katern.
Unkastrierte Kater (und auch manche Katzen) markieren ihr Revier oft mit sehr intensiv riechendem Urin.
Auch reine Wohnungskatzen sollten kastriert werden! Der Mythos, dass Wohnungskatzen keine Kastration brauchen, weil sie nicht nach draußen können, hält sich hartnäckig.
Wenn Sexualhormone den Körper überschwemmen, aber kein Partner erreichbar ist, entlädt sich dieser Frust oft in Verhaltensauffälligkeiten. Das reicht von nächtelangem, lautem Schreien bis hin zu plötzlicher Aggression gegenüber Mitzusammenlebenden oder Menschen.
Unkastrierte Kätzinnen, die nicht gedeckt werden, geraten häufig in eine sogenannte Dauerrolligkeit. Die ständigen Hormonschübe bedeuten extremen Stress, schlaflose Nächte für die Halter und führen oft zu schmerzhaften Eierstockzysten oder lebensgefährlichen Gebärmutterentzündungen (Pyometra).
Unkastrierte Kater entwickeln im Wohnungsumfeld einen extremen Drang, ihr Revier abzugrenzen. Sie markieren Wände, Möbel und Vorhänge mit spritzendem, äußerst intensiv riechendem Urin.
❗Der Fortpflanzungsinstinkt ist einer der stärksten Instinkte überhaupt. Unkastrierte Wohnungskatzen nutzen häufig jede Chance, um durch gekippte Fenster oder einen Spalt in der Wohnungstür zu entwischen. Dies kann mit tödlichen Folgen (Kippfenstersyndrom, Sturz vom Balkon oder Orientierungslosigkeit draußen) enden.
Das unsichtbare Elend: Streunerkatzen und überfüllte Tierheime
Wer seine Katze nicht kastriert, trägt direkt zum Leid tausender Straßenkatzen bei. Jedes Jahr im Frühjahr und Sommer werden Tierheime und Tierschutzvereine förmlich von trächtigen Katzen und kranken Kitten überrollt. Die Pflegestellen arbeiten am absoluten Limit. Finanziell wie personell!
Streunerkatzen sind die Nachkommen von unkastrierten Freigängern, entlaufenen oder schlicht ausgesetzten Hauskatzen.
Ein einziges unkastriertes Katzenpaar kann rechnerisch zusammen mit seinen Nachkommen in nur wenigen Jahren tausende Nachkommen zeugen.
Das Leben auf der Straße ist brutal! Tierschutz-Kitten und Streuner leiden häufig unter hochgradigem Katzenschnupfen, Parasiten, Mangelernährung und schmerzhaften Entzündungen. Viele von ihnen sterben einen elendigen Tod, bevor sie überhaupt erwachsen werden.
Mit der Kastration deiner eigenen Katze verhinderst du nicht nur ungewollten Nachwuchs im eigenen Umfeld, sondern setzt ein klares Zeichen gegen das unendliche Leid auf unseren Straßen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Das Eintrittsalter der Geschlechtsreife hat sich in den letzten Jahren nach vorne verschoben. Viele Katzen und Kater sind bereits ab dem 4. Lebensmonat fruchtbar.
Weibliche Katzen: Werden meist mit 4 bis 6 Monaten geschlechtsreif.
Kater: Werden meist mit 6 bis 9 Monaten geschlechtsreif (oft aber auch schon ab 4 Monaten).
Frühkastration: Ab der 12. bis 14. Lebenswoche (3–4 Monate) problemlos möglich und im Tierschutz Standard.
Wichtig: Auch erwachsene Katzen können und sollten jederzeit kastriert werden.
❌ „Eine Katze muss einmal rollig gewesen sein.“
Falsch! Das Abwarten der ersten Rolligkeit bringt keinerlei gesundheitliche Vorteile, erhöht aber das Krebsrisiko und den Stress für die Katze deutlich.
❌ „Eine Katze sollte einmal geworfen haben.“
Falsch! Trächtigkeit und Geburt bedeuten großen Stress und Risiken für das Muttertier. Es gibt medizinisch keinen Grund dafür. Katzen verspüren keinen emotionalen Wunsch nach Nachwuchs, das ist ein vermenschlichter Gedanke. Da die Geschlechtsreife oft schon mit vier Monaten eintritt, werden viele Tiere Mutter, während sie geistig selbst noch Kitten sind.
❌ „Meine unkastrierten Katzen sind Geschwister, da passiert nichts“
Falsch! Katzen kennen kein biologisches Inzesttabu. Sobald die Geschlechtsreife eintritt, paaren sich Wurfgeschwister genauso wie Mutter und Sohn oder Vater und Tochter. Inzucht führt nicht nur zu ungewolltem Nachwuchs, sondern erhöht das Risiko für schwerwiegende Genetische Defekte, Totgeburten und geschwächte Immunsysteme bei den Kitten massiv.
Kastration vs. Sterilisation: Was ist der Unterschied?
Oft hört man den Satz: „Kater werden kastriert, Katzen werden sterilisiert.“ Das ist ein weit verbreiteter Irrtum.
Sterilisation: Die Samen- bzw. Eileiter werden nur durchtrennt. Die Katzen sind zwar unfruchtbar, die Hormonproduktion läuft jedoch weiter. Das bedeutet: Rolligkeit, Markierverhalten und das Krebsrisiko bleiben bestehen.
Kastration: Die Hoden bzw. Eierstöcke werden komplett entfernt. Damit stoppt die Hormonproduktion und die Katze profitiert von allen gesundheitlichen und verhaltenstechnischen Vorteilen. Deshalb wird heute bei beiden Geschlechtern kastriert.
Ablauf & Kosten
Sofern das Tier gesund ist, handelt es sich um einen Routineeingriff mit sehr geringem Narkose- und Operationsrisiko.
Die genauen Kosten richten sich nach der aktuellen Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) sowie dem individuellen Narkose- und Überwachungsaufwand.
Hast du Fragen zur Kastration oder beobachtest du Verhaltensauffälligkeiten bei deiner Katze?
Ob Beratung zum richtigen Zeitpunkt, OP-Ablauf oder Unterstützung bei hormonell bedingtem Stress und Verhaltensproblemen. Ich stehe dir mit meiner tiermedizinischen und verhaltensmedizinischen Expertise gerne zur Seite.
➡️ Nimm einfach Kontakt mit meiner Praxis auf oder vereinbare direkt online einen Beratungstermin!
Foto von Jari Hytönen on Unsplash


