Drei Kitten liegen aneinander und gucken neugierig

Divider in den CD Farben

Warum Kitten nicht alleine aufgezogen werden sollten

Die ersten Lebenswochen eines Kittens sind entscheidend für seine körperliche, soziale und emotionale Entwicklung. Gerade in der „Kittenzeit“, wie jetzt im Mai, kommt es leider immer wieder vor, dass einzelne Jungtiere mit der Flasche aufgezogen werden müssen. Oftmals ist das der Fall, wenn die Mutter verstorben ist, die Milch nicht ausreicht oder ein Kitten vom Wurf getrennt wurde. Dabei wird oft unterschätzt, wie wichtig Geschwisterkontakte für eine gesunde Entwicklung sind.

Warum sollte ein Kitten nicht allein mit der Flasche großgezogen werden, sondern möglichst gemeinsam mit mindestens einem weiteren Kitten – idealerweise mit seinen Wurfgeschwistern – aufwachsen?

Soziale Entwicklung beginnt im Kittenalter

Kitten lernen in den ersten Lebenswochen unglaublich viel voneinander. Im gemeinsamen Spiel entwickeln sie wichtige soziale Fähigkeiten:

  • Sind Menschen harmlos?
  • Wie fest darf ich beim Spielen zubeißen?
  • Wie erkenne ich Grenzen?
  • Wie kommuniziere ich mit anderen Katzen?
  • Wie gehe ich mit Frust oder Unsicherheit um?

Diese Erfahrungen können Menschen nur begrenzt ersetzen. Selbst die liebevollste Handaufzucht kann den Kontakt zu gleichaltrigen Katzenkindern nicht vollständig ausgleichen.

Die Bedeutung der frühen Sozialisierung

Die sensible Sozialisierungsphase liegt ungefähr zwischen der 2. und 7. Lebenswoche. In dieser Zeit prägen Erfahrungen das spätere Verhalten besonders stark.

Der Umgang mit Geschwistern als auch der Katzenmama ist aber auch darüber hinaus, bis circa zur 12. Lebenswoche relevant für die körperliche als auch emotionale Entwicklung des Kitten. (Daher sollten Kitten nicht unter 12 Wochen von der Mutter und Geschwistern getrennt werden, sofern möglich)

Frühe und viele positive Kontakte & Erfahrungen mit  anderen Katzen, Menschen, anderen Tieren sowie Alltagsgeräuschen (wie z.B. dem Staubsauger) und generell verschiedenen Umgebungen helfen dabei, eine entspannte und ausgeglichene Katze heranwachsen zu lassen.

Fehlt diese frühe Sozialisierung, können später Verhaltensauffälligkeiten entstehen. Viele Verhaltensprobleme im Erwachsenenalter entstehen meistens durch fehlende Sozialkontakte und Erfahrungen im Kittenalter.

Beispiele:

– Kitten, die zu früh von ihrer Mutter und Geschwistern getrennt wurden oder aufgrund anderer Gründe keine abschließende Sozialierungsphase durchlebt haben, haben oftmals Schwierigkeiten mit den richtigen sozialen Verhaltensweisen und verstehen sich später nur unzureichend mit Artgenossen.

– Kitten, die von einer Streuner Mama geboren werden und von ihr ohne Menschenbezug aufgezogen werden, haben Menschen in ihrer Prägungsphase kaum oder gar nicht erlebt. Daher werden sie ihre Furcht vor Menschen in der Regel auch als Erwachsene niemals gänzlich ablegen können.

Warum Einzelaufzucht problematisch sein kann

Wird ein Kitten dauerhaft alleine mit der Flasche großgezogen, fehlen wichtige Lernprozesse. Das kann später zu Verhaltensauffälligkeiten führen.
Um Beispiele zu nennen: übermäßiges Beißen oder Kratzen im Spiel, Unsicherheit oder Angst gegenüber anderen Katzen, starke Menschenfixierung sowie Frustverhalten oder Unruhe.

Besonders die sogenannte Beißhemmung lernen Kitten durch ihre Geschwister. Reagiert ein anderes Kitten auf zu grobes Verhalten mit Rückzug oder Warnsignalen wie Fauchen, versteht das Jungtier schnell seine Grenzen.

Zwei Kitten sind oft einfacher als eines

Viele Menschen denken, ein einzelnes Kitten sei unkomplizierter und einfach zu halten. Tatsächlich ist oft das Gegenteil der Fall. Zwei gemeinsam aufwachsende Kitten beschäftigen sich miteinander, lernen voneinander und entwickeln meist ein stabileres Sozialverhalten.

Gerade bei Flaschenkindern ist es ideal, wenn sie mit ihren Wurfgeschwistern zusammenbleiben können oder mindestens mit einem gleichaltrigen Kitten aufgezogen werden.

Das gemeinsame Kuscheln, Spielen und Lernen gibt Sicherheit und unterstützt eine gesunde Entwicklung.

Kitten sollten ihre ersten Lebensmonate niemals ohne Artgenossen verbringen.

Katzen sind keine pauschalen Einzelgänger, aber eben auch keine Rudeltiere – ihre soziale Art ist so individuell wie ihr Charakter. Doch gerade deshalb ist der Start ins Leben entscheidend: Kitten sollten niemals alleine aufwachsen. Da Katzen als solitäre Jäger zwar alleine überleben können, in der Prägephase aber in festen Familienverbänden aufwachsen, ist ein artgleicher Partner in der Lern- und Spielphase durch nichts zu ersetzen. Ein Mensch kann diesen Austausch nicht bieten.

Während sich eine erwachsene Katze später durchaus als Einzelgängerin herausstellen kann, ist die isolierte Haltung für ein Kitten unnatürlich. Ohne soziale Leitplanken durch Artgenossen riskieren Halter dauerhafte Verhaltensunsicherheiten beim Tier.

Handaufzucht bedeutet mehr als nur Füttern

Ein Flaschenkitten aufzuziehen bedeutet nicht nur regelmäßiges Füttern.
Wärme, Körperkontakt, Hygiene, Schlafrhythmus und soziale Interaktion spielen ebenfalls eine enorme Rolle. Deshalb sollte bei einer notwendigen Handaufzucht immer darauf geachtet werden, dem Kitten möglichst früh Kontakt zu Artgenossen zu ermöglichen.

Auch wenn es nicht immer vermeidbar ist: Eine Einzelaufzucht sollte niemals die erste Wahl sein.


Bei Fragen rund um die Aufzucht, Entwicklung und das Verhalten von Kitten unterstütze ich dich gerne individuell.

Als Tierärztin und Verhaltenstherapeutin helfe ich dir dabei, den bestmöglichen Start für kleine Katzenkinder zu schaffen.

Lesezeit:

3–5 Minuten